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Ein Stadtspaziergang in Wien – Auf eine Sachertorte mit Sissi, Hundertwasser und Klimt

Eine neue Studie hat vor Kurzem festgestellt, dass die Österreicher zu den glücklichsten Menschen der Welt gehören. Ein Grund hierfür ist sicherlich Österreichs bunte und vielfältige Hauptstadt Wien, die Einwohner und Besucher gleichermaßen in ihren Bann zieht.

Zwischen prunkvollen Schlössern und in grünen Oasen lässt es sich herrlich lustwandeln, am Nachmittag erfreut man sich an einer Melange mit Topfenstrudel und Schlagobers und am Abend bieten sich zahlreiche Möglichkeiten, den Schönen Künsten beizuwohnen. Mit meinem Stadtspaziergang in Wien seid ihr bestens für einen Trip in die malerische Stadt an der Donau gerüstet.

Die Schlösserhochburg Wien

Wien besticht vor allem durch seine prachtvollen Bauten, warum also nicht an einem solchen starten? Die zwei bekanntesten sind wohl das Schloss Schönbrunn und das Schloss Belvedere. Ersteres ist für einen Stadtspaziergang etwas zu weit außerhalb, weshalb ich meine Tour gerne am Belvedere starten möchte. Die Schlossanlage besteht aus zwei separaten Schlössern, dem Unteren Belvedere und dem Oberen Belvedere, die durch einen gemeinsamen Garten verbunden sind. Früher als Sommerwohnsitz von Prinz Eugen genutzt, beherbergt es heute die Österreichische Galerie. Sehenswert sind vor allem die Deckengemälde, die sich in verschiedenen Räumen befinden und von der prunkvollen Vergangenheit zeugen. Wandelt wie einst Prinz Eugen entlang des Belvederegartens zu unserem nächsten Ziel.

Optional: Naschen auf dem Naschmarkt

Ein Besuch des Naschmarktes darf bei einem Wien-Aufenthalt eigentlich nicht fehlen. Da der Gang über den größten innerstädtischen Markt Österreichs uns eigentlich in die falsche Richtung führt, nämlich von der Altstadt weg, habe ich ihn als optionalen Punkt für alle Feinschmecker unter euch eingebaut. Beim Naschmarkt ist der Name nämlich Programm: von heimischen Produkten über exotische Importe hin zu feinstem Gebäck und exquisiten Happen – hier gibt es nichts, was es nicht gibt. An 170 Ständen habt ihr die Qual der Wahl und kaum habt ihr euch für eine Köstlichkeit entschieden, wartet bereits die nächste auf euch. Also vielleicht doch schnell weiterziehen!?

Im Herzen der Kunst I

Entlang des Getreidemarkts führt euch euer Weg nun zum Museumsquartier. Es kann als wahres Ballungszentrum künstlerischen Schaffens gesehen werden, denn es beherbergt nicht nur ein zeitgenössisches Tanzquartier, sondern auch ein Architekturzentrum, die Kunsthalle Wien und das berühmte Leopold Museum. Große Namen wie Klimt, Kokoschka und Schiele sind unter diesem Dach vereint und bieten eine schier überwältigende Sammlung; viel zu viel für einen einzigen Tag.

Im Herzen der Kunst II

Von der Staatsoper ist es nur ein Katzensprung bis zur Albertina. Das Kunstmuseum wird euch sicherlich durch seinen futuristisch gestalteten Vorhof und dem dahinter liegenden, barocken Gebäude auffallen. Die dortige Sammlung zählt zu den bedeutendsten grafischen Sammlungen der Welt und zieht jährlich mehr als 600.000 Besucher an. Vielleicht ja auch bald euch? Nach so viel Kunst muss ich mich aber erst einmal wieder länger an der frischen Luft bewegen. Geschlossene Räume machen mich immer so schläfrig.

Lustwandeln im grünen Paradies Wiens

Von der Albertina aus solltet ihr einen Abstecher in den benachbarten Volksgarten machen. Seinen Namen verdankt er der Tatsache, dass er einer der ersten öffentlichen Parks im Zentrum der Stadt war, seit 1823 darf ein jeder durch die wunderschönen Anlagen flanieren. Besonders schön anzusehen ist der Rosengarten mit seinen mehr als 3000 Rosensträuchern. Besuchen solltet ihr auch den Englischen Garten mit dem Theseustempel, der Mittelmeerflair in die grüne Oase bringt. Seid ihr fast am Ende des Parks angelangt, solltet ihr euch nach rechts wenden und am Bundeskanzleramt vorbei in Richtung Michaelerplatz gehen.

Der Glanz früherer Zeiten

An diesem Platz thront die Hofburg, die ehemalige Residenz der Habsburger und heutiger Wohnsitz des Österreichischen Bundespräsidenten. Der riesige Gebäudekomplex enthält einen Großteil der Österreichischen Nationalbibliothek, mehrere Museen, einen Burggarten und auch eine Kapelle beziehungsweise Kirche. Interessiert ihr euch für die ehemaligen Bewohner der Hofburg, so lege ich euch die Kaiserlichen Appartments ans Herz. Im Michaelertrakt der Hofburg ist zudem die Spanische Hofreitschule ansässig, die sich die Erhaltung der klassischen Reitkunst zur Aufgabe gemacht hat. Wenn ihr schon einmal an der Hofburg seid, solltet ihr euch dort unbedingt Tickets für die Morgenarbeit der Spanischen Hofreitschule sichern. Während dieser gewinnt ihr einen Einblick in die Trainingsarbeit, die ein jeder Bereiter in die Lipizzanerhengste investiert.

Totentanz in der Kaisergruft

Geschichtsträchtig wird es auch bei meinem nächsten Ausflugsziel, denn es führt zur Kaisergruft. Ich habe euch ja schließlich einen „Hauch Sissi“ versprochen (glaubt mir, nach einiger Zeit in Wien kann es einem mit dem Hype irgendwann zu viel werden) und das möchte ich auch einhalten. Neben unzähligen Habsburgern und auch Nichthabsburgern, findet ihr in der Franz-Josephs-Gruft Kaiserin Elisabeth samt Gatten Franz Joseph I. und Kronprinzen Rudolf. Imposant ist auch der Doppelsarkophag in der Maria-Theresia-Gruft. Maria Theresia ist mit ihrem Gatten Franz Stephan dort gemeinsam „begraben“, während ringsum weitere, massive Sarkophage stehen, die ihre Töchter, Schwiegertöchter und Enkelinnen beherbergen. Nach eurem Ausflug „unter die Erde“ zieht es euch sicherlich wieder ans Licht und vor allem an die frische Luft, weshalb wir den Stadtspaziergang durch Wien nun auch auf die Zielgerade bringen.

Wiens Liebling

Entlang der Seilergasse macht ihr euch auf den Weg zu DEM Wahrzeichen Wiens: dem Stephansdom, liebevoll von den Einwohnern Wiens „Steffl“ genannt. Fast 700 Jahre hat der gute Steffl schon auf dem Buckel und dank konstanter Restaurierung (die übrigens zum Großteil von Spenden getragen wird) blickt die Domkirche in eine rosige Zukunft. Wenn ich an den Stephansdom denke, weiß ich gar nicht, wo ich anfangen und wo ich aufhören soll. Spektakulär ist das Mittelschiff des Doms oder aber auch der barocke Hochaltar. Wenn ihr durch den Dom schreitet und das Sonnenlicht durch die Meter hohen Fenster fällt, habt ihr das Gefühl, für kurze Zeit in eine andere Welt einzutauchen. Die Magie dieses Ortes ist einfach überall spürbar. Vielleicht habt ihr ja Lust, an einem der zahlreichen Gottesdienste teilzunehmen, die sowohl unter der Woche als auch am Wochenende stattfinden. Bereuen werdet ihr es auf keinen Fall.

Extravagantes Wien

Die letzten zwei Etappen würde ich eher in den Optionalbereich des Stadtspaziergangs schieben, denn sie sind nicht mal eben in einer halben Stunde zu Fuß zu erreichen. Für den Weg zum Hundertwasserhaus müsst ihr schon eine gute Stunde Marsch einplanen, dafür wird euch die Wohnhausanlage mit seiner „flippigen“, bunten Fassade begeistern. Ihr werdet schnell feststellen, dass die Architektur des Hauses so gar nicht den Normen entspricht; die bunte Fassade, die unebenen Böden und auch die üppige Bepflanzung an und auf dem Haus zeugen davon.

Runde Sache

Das letzte Ziel liegt noch einmal ein gutes Stückchen vom Hundertwasserhaus entfernt. Auf dem Gelände des Wiener Prater gibt es vor allem eine Sehenswürdigkeit, die weit über die Landesgrenzen bekannt ist. Das 119 Jahre alte Wiener Riesenrad ist DIE Attraktion des Prater und zählte sogar einmal zu den größten Riesenrädern der Welt. Eine Fahrt ist nicht ganz günstig und schlägt mit fast 10€ zu Buche, aber nach all der Lauferei habt ihr euch eine kleine Auszeit verdient. Entspannt die müden Knochen und dreht eine Runde in diesem geschichtsträchtigen Rad und genießt den Ausblick auf Wien und die satte, grüne Parkanlage unter euch.

Mit einer Runde im Riesenrad endet der Stadtspaziergang Wien auf spektakuläre Weise. Aber Halt! Fast hätte ich noch etwas vergessen. Ich habe ja auch die berühmte Sachertorte angesprochen, die man nahezu überall in Wien genießen kann. Die besten Cafés hierfür habe ich euch ebenfalls aufgelistet; die meisten können problemlos unterwegs angesteuert werden.